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Die Straße wird breiter, übersichtlicher und die Landschaft öffnet sich wie in einem Märchen. Wir
fahren auf ca. 1.700m Höhe an den Engadiner Seen vorbei und durch Silvaplana hindurch.
In Silvaplana beginnt die Straße hinauf zum Julierpass, wir fahren jedoch geradeaus weiter,
vorbei an St. Moritz und biegen dann rechts ab nach Pontresina. Hier erreicht mich das erste Schulterklopfen von meinem Sohn. Ihm tut das Hinterteil weh.
Also, alle abgesessen und Pause eingelegt. Just in diesem Moment zieht die Furka Oberalp
Bahn an uns vorbei. Vom Albula kommend, fährt sie über den Bernina Pass hinüber nach Tirano. Eine wahrhaft tollkühne Ingenieurleistung.
Ein kleines Stückchen weiter die Straße hinauf, etwa vier Kilometer hinter Pontresina befindet
sich die Stelle, die einen zum Träumen verleitet. Hier macht die Straße eine links rechts Serpentinenkombination und wird gleichzeitig von der Bahnstrecke überholt.
Rechts der Straße öffnet sich eine Art Senke mit Blick auf den Piz Bernina, Piz Palü und Piz
Morteratsch, zu deren Füßen sich ein Gletscher in Richtung Straße erstreckt.
Je höher wir kommen, um so lebendiger wird es auf dem Pass. Wahre Rudel von
Motorradfahrern kommen uns entgegen und auch hinter uns nähern sich mehrere Supersportler. Hier, kurz vor der Passhöhe halten sich die Serpentinen in Grenzen und die Straße ist sehr gut ausgebaut.
Oben auf der Passhöhe angekommen, gönnen wir uns alle nur eine kurze Verschnaufpause,
denn wir wollen heute eigentlich noch bis nach Davos. Davos? Ja, Ihr habt schon richtig gelesen. Unser Tagesziel lautet Davos, und das nicht auf dem kürzesten Weg. Heute steht noch der
Forcola di Livigno, Passo di Foscagno, das Stilfser Joch, der Umbrail-, Ofen- und Flüelapass auf dem Programm.
Also, wieder in die Sättel und den Bernina ein kurzes Stück hinunter. Noch sind wir in der
Schweiz. Das ändert sich aber sofort, als wir nach wenigen Kilometern links in Richtung Livigno abbiegen.
Dieses Sträßchen ist eine Passtrasse, wie sie unsere Väter noch kannten. Eng, schlecht ausgebaut, oberhalb der Baumgrenze, Steine und
ganz schmale Serpentinen. Hier oben auf 2.315m ist es nun wirklich empfindlich kühl. Die Passhöhe ist zugleich auch der Grenzübergang nach
Italien, oder besser gesagt in ein Zollfreibezirk, in dem sich die Italiener mit allem eindecken was raucht und nach Alkohol riecht.
Die Fahrt nach Livigno verläuft ohne Zwischenfälle. Livigno liegt in einem Hochtal, nahezu ohne Baumbewuchs. Die Gegend wirkt irgendwie
kahl, kühl und wären die vielen Touristen nicht da, die hektisch ihre gekauften Spirituosen im Bus bunkern würden, wäre dies kein Ort um zu verweilen.
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