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So kam es, daß wir erst um elf Uhr in Lecco ankamen. Pause war angesagt. Mopped
geparkt und auf einer Bank am See erst mal in Ruhe gegessen. Ein kühler leichter Wind vom See machte die inzwischen im Tessin aufgelaufene Hitze etwas erträglicher und
nachdem wir uns gestärkt hatten, ging es weiter.
Die Uferstraße am Lago di Como hat Schnellstraßen Charakter und taucht in unzählige
Tunnels ein, bis sie den Biker am nördlichsten Seezipfel wieder ausspuckt. Hier trennt sich dann die Autostrada 38 rechts abbiegend, über Morbegno, Tirano und Bormio zum
Stilfser Joch von der Autostrada 36, die geradeaus zum Splügen, Malojapass und zum Engadin führt. Wir wollten zum Engadin, um dann über den Bernina und Livigno zum Stilfser Joch vorzustoßen.
Es ist inzwischen nach zwölf Uhr und die Tankstelle ist um diese Zeit nur noch über den Automaten aktiv. Aber die Stuttgarter Kollegen
haben das gleiche Problem wie ich. Keine passenden Lirescheine. Also weiter, in der Hoffnung kurz nach der Grenze eine Tankstelle zu
finden. Chiavenna selbst bietet unzählige Sehenswürdigkeiten aus der Zeit der Säumer, als über den Splügen und den Maloja Güter noch auf Eseln transportiert wurden.
Wir schworen uns, für die nächste Tour in Chiavenna eine Pause von mindestens zwei Stunden einzuplanen, aber heute ist unser
Tourenplan leider zu kurz gesteckt. Also, rechts abgebogen in Richtung Engadin und Schweizer Grenze. Eine halbe Stunde später, nach
dem wir unzählige Kurven vermessen und uns Stück für Stück höher geschraubt haben, erreichen wir die Grenze zur Schweiz. In Soglio,
direkt hinter der Grenze liegend, finden wir dann auch eine Tankstelle und ein paar Meter weiter ein kleines Gasthaus, wo wir zunächst
einmal eine mittägliche Stärkung in Form von kalter Pizza zu uns nehmen.
An dieser Stelle staut sich alles. Ein paar hundert Meter weiter befindet sich ein Bahnübergang, ein kurzes Stück zurück die Grenze und
das Gasthaus engt die Fahrbahn auf nur eine Fahrspur ein. Während wir hier sitzen und genüßlich unsere Pizza essen, versuchen sich
Omnibusse, Wohnwagen, Lastwagen und Wohnmobile durch dieses Nadelöhr zu fädeln, spannender wie der beste Krimi.
Vor uns liegt nun der Maloja Pass. Die mir bis dato bekannte Literatur schildert den
Maloja als einen Pass, den man gar nicht merkt. Er ist kurz und hat im eigentlichen Sinne keinen Scheitelpunkt.
Nun, die Straße wird immer Pass ähnlicher, und plötzlich tauchen auch die ersten
Serpentinen auf. Das war’s dann auch. Oben angekommen geht es eben weiter in die Engadiner Hochebene.
Schon ab Chiavenna hat die Hitze merklich abgenommen. Hier oben im Engadin zeigt die
Quecksilbersäule gerade noch 24 Grad. Die Luft ist glasklar und es zeigen sich nur ein paar kleine Wölkchen am Himmel. Unsere Stimmung steigt. Nur ein kleiner Halt am Pass, und schon geht es weiter.
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